Reutlinger Generalanzeiger 18.10.2016

KONZERT - Unterhaltsam, leicht und witzig: Jazz Brunch am Sonntag im Kirchentellinsfurter Schloss mit den Musikern des Banana Jazz Trios 

Musikalische Zeitreise

KIRCHENTELLINSFURT. Eine Bananenbox, bekannt aus Schul- und Kindergartenpausen, erklärt den Namen: Sie enthält eine Bananenrassel, die den Gesang von Jeschi Paul untermalt. Zusammen mit dem Gitarristen Jörn Baehr und dem Trompeter Gerhardt Mornhinweg bildet die Sängerin das Banana Jazz Trio, das am Sonntag – diesmal integriert in die Tübinger Jazz- und Klassiktag – beim Jazz Brunch im Kirchentellinsfurter Schloss gastierte.  

Das kammermusikalische Jazz- Ensemble hat von Groove, Swing, karibischen Klangeffekten bis hin zu Klassikern von Irving Berlin, George Gershwin, Cole Porter und den Beatles alles im Repertoire. Ungewöhnlich ist das Fehlen von Schlagzeug und Kontrabass, doch der Gitarrist übernimmt die ganze Rhythmusarbeit, sodass sich Jeschi Paul und Gerhardt Mornhinweg auf ein Wechselspiel zwischen Trompete und Stimme konzentrieren können. Ihre Spezialität: Scat-Gesang, bei dem Tonsilben ohne Wortbedeutung und ohne zusammenhängenden Sinn das Instrument – oder auch Vogelstimmen und Babygeschrei – imitieren, umgekehrt die Trompete die menschliche Stimme.  

»It's a good day for singing a song«, seit 1946 von zahlreichen Interpreten gesungen, passte zum schönen Sonntagswetter und stimmte von Anfang an fröhlich. Mit »Cheek to cheek« und »Comes love, nothing can be done« folgten zwei weitere amerikanische Evergreens und Jazzstandards, frisch und eigenwillig interpretiert. Weiter ging die musikalische Zeitreise zu Leonard Cohens »Dance me to the end of love« und »Come together« von den Beatles (in das »Girl from Ipanema« auch noch geschwind hineingeschmuggelt wurde). »We three: my echo, my shadow and me«, ebenfalls ein Klassiker, wurde autobiografisch umgedeutet zu einer Geschichte über das harte Leben eines Musikertrios, das sich im tiefsten Winter in die Wärme eines Tonstudios flüchtet, um eine CD aufzunehmen. Virtuos, aber auch nah am Publikum, unterhaltsam, leicht und witzig – diese Kombination machte das Banana Jazz Trio perfekt für den in Kirchentellinsfurt zur Tradition gewordenen Jazz Brunch, bei dem es nicht nur um musikalischen, sondern auch kulinarischen Genuss geht.

 

Zeitungsartikel zum Konzert am 5.2.2011 in Bad Kissingen

Im Zeichen der Banane

Das Banana Jazz Trio traf in Bismarck‘s Basement auf Bernhard Schäfer

 Sie hat erst wieder begonnen, die Reihe „Jazz in Bismarck‘s Basement“ und es kam ein besonders gutes und aufmerksames Publikum: interessiert, begeisterungsfähig, humorvoll und immer dicht am Geschehen auf der Bühne.
Dort war mit dem „Banana Jazz Trio“ eine ebenso kuriose wie virtuose Formation zu erleben. Ja: zu erleben. Die Formulierung „zu hören“ wäre zu kurz gegriffen, denn die Stuttgarter waren ,abgesehen davon, dass sie Musik auf höchstem Niveau machten- eine quicklebendige Truppe, menschlich und musikalisch sehr vertraut miteinander und aufgelegt zu jedem sich bietenden kreativen Blödsinn, der bis dahin ging, dass der eine oder die andere beim Extemporieren vor Glucksen und Kichern fast den Einsatz verpasste. Besonders ideenreich waren in dieser Hinsicht Sängerin und „Frontfrau“ Jeschi Paul und Trompeter Gerhardt Mornhinweg , die sich im Lauf des Programms in Dialogen zwischen farbenfrohem Scat und Trompetentönen auf wirklich heiße Duelle einließen, die Jörn Baehr an der Gitarre mit stoischer Ruhe und stillvergnügter Freude kunstvoll begleitete. Eine sympathische Sache, die den ganzen Keller zum Schmunzeln und Mitlachen brachte. Alles banane, souterrain? Nein, es herrschte kein Chaos im historischen Gewölbe; hier waren einfach Spaß und Musik pur und eine großartige Kommunikation zwischen Musiker n und Hörern.

Doch zurück zum Thema „kurios“: Trompete, Gitarre, Gesang -das liest sich seltsam. Aber die Mischung funktioniert ganz pr ächtig. Das stilistisch vielseitige Trio hat seine Stücke sehr geschickt eingerichtet. Ein dezenter, farbiger Klang in vielen Schattierungen ist das Ergebnis. Mornhinweg färbt bei seinem feinsinnigem Spiel nicht nur durch den Gebrauch von Dämpfern; er gibt dem Ganzen auch durch verschiedene Spielweisen, außerdem durch Es pr it und Auftreten einen eigenen Charakter. Jeschi Paul ist beim Singen nicht nur textlich komödiantisch begabt, sondern virtuos im Imitieren verschiedener Instrumente in unterschiedlichen Lagen; zudem ist sie unglaublich tonsicher -eine Eigenschaft, von der die Arrangements an vielen bunt-dissonanten Stellen leben. Und Jörn Baehr kommen die Aufgaben zu, den Bass zu liefern, die Percussion zu ersetzen, farbige Begleitakkorde zu zaubern und noch fantasievoll und temporeich Melodien zu spielen. Aufgaben, die er verspielt, musikalisch intelligent und sehr wendig bewältigt. Unterstützt wurde das Trio an diesem Abend streckenweise von special guest Bernhard Schäfer , der auf Hi-Hat und Snare kunstvolle Rhythmen kreierte, Bewunderung aber durch das ex pr essive Spiel auf dem Cajón genannten Holzkasten erregte, dessen Sound ein ideenreich benutztes Drum Kit ersetzt.

Ein wirklich hinreißender Abend mit hochklassigen Musikern und ein gelungener Start in die neue Jazz-Saison.

Christian Dijkstal

>>back to the band

Jazz - Jeschi Paul und ihr »Banana Jazz Trio« im Jazzclub »In der Mitte«: Vom Klassiker zur verspielten Klangkollage

Reutlinger Generalanzeiger 2008

 

 

Experimentierlust

 

 

VON JOACHIM BAIER

 

 

REUTLINGEN. Jeschi Paul ist eine überaus vielseitige Sängerin. Deutschrock, geistliche Musik, Blues, Gospel, Salsa, Chanson oder Jazz, die Stuttgarterin ist in den verschiedensten Stil- und Spielarten zu Hause. Sie bekennt, »ich bin verliebt in bestimmte Stimmfarben«.

 

 

Wie facettenreich, schillernd, dicht und elektrisierend ein kleines aber feines Jazzensemble klingen kann, zeigte sie gemeinsam mit dem Gitarristen Jörn Baehr und dem Trompeter Gerhardt Mornhinweg im Jazzclub »In der Mitte«. Das »Banana Jazz Trio« existiert seit 2003, neben Jazzstandards, etwa »Cheek to Cheek«, »Blue Moon« oder »In a sentimental Mood« zählen ebenso Sambastücke wie Rockklassiker zum Repertoire.

In seiner ungewöhnlichen Besetzung bestach das Trio am Samstag durch ausgefallene Arrangements, Spielwitz und bot so manche Überraschung - da war durchaus ein kleiner Schwenk ins klassische Fach drin. »Uns graut vor nix. Beatles, Count Basie, wir nehmen das was uns gefällt und machen was draus«, flachste Baehr ins Publikum.

Spannendes Wechselspiel

Der Gitarrist übernahm zumeist im Hintergrund aber höchst routiniert und ideenreich die Rhythmusarbeit für Bass und Schlagzeug gleich mit. So konnten sich
Jeschi Paul und Mornhinweg auf ein spannendes, expressives und nuanciertes Wechselspiel konzentrieren. Vom frechen Scat-Gesang zur kraftvollen Trompetenphrase, über verspielte, feine Klangkollagen, etwa beim Klassiker »Autumn leaves«, bis zum prickelnden Samba, bewiesen die beiden gleichermaßen Experimentierlust und Explosivität aber auch ein sensibles Gehör für das wirkungsvolle Zusammenspiel bis in die kleinste Lautmalerei.

Das Publikum war schnell Feuer und Flamme von dem kongenialen Trio. Wunderbar, berührend, stimmig. Ein farbenprächtiges Klangspiel. (GEA)